Your wedding, your rules.

Über Familienwünsche, eigene Entscheidungen und eine Feier, in der ihr euch beide wiederfindet.

Brautpaar an einer gedeckten Hochzeitstafel

Eigentlich war es eine schöne Idee. Nach der Trauung gemeinsam essen, später Musik auflegen und schauen, wohin der Abend führt. Dann kommt die Frage nach dem Eröffnungstanz. Jemand möchte wissen, wann die Hochzeitstorte angeschnitten wird, und jemand anderes hat schon eine Überraschung vorbereitet. Vielleicht findet ihr manche dieser Vorschläge wunderbar. Vielleicht fühlt sich eure ursprüngliche Vorstellung aber auch mit jedem Gespräch ein bisschen weniger nach euch an.

Ich finde, genau darüber lohnt es sich zu sprechen, bevor ihr aus Höflichkeit Dinge zusagt, die ihr eigentlich nicht möchtet. Eine Hochzeit nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, bedeutet für mich, bewusst zu entscheiden, welche Wünsche Platz bekommen. Das können eure eigenen sein und durchaus auch die eurer Familie. Entscheidend ist, dass ihr euch damit wohlfühlt und nicht irgendwann auf einen Ablauf schaut, dem ihr zwar zugestimmt habt, auf den ihr euch aber kaum noch freut.

Whose idea of a wedding is this?

Mit dem Wort Hochzeit verbinden wir ziemlich konkrete Bilder. Für die einen gehört eine große Gesellschaft dazu, für andere eine kirchliche Trauung, ein weißes Kleid oder eine bestimmte Reihenfolge von Programmpunkten. Solche Vorstellungen können vertraut und schön sein. Schwierig wird es dort, wo aus einer persönlichen Vorstellung eine Selbstverständlichkeit für eure Feier wird. Dann steht plötzlich die Frage im Raum, warum ihr etwas weglassen möchtet, obwohl ihr euch dafür nie entschieden hattet.

Bevor ihr darauf antwortet, würde ich erst einmal bei euch beiden anfangen. Welche Teile einer Hochzeit mögt ihr tatsächlich? Worauf freut ihr euch, auch wenn niemand davon ein Foto sehen würde? Und was steht gerade nur auf eurer Liste, weil ihr davon ausgegangen seid, dass es dazugehört? Ihr könnt diese Gedanken zunächst getrennt aufschreiben und anschließend darüber sprechen. Dabei muss noch kein fertiges Konzept entstehen. Es reicht, wenn ihr besser versteht, was euch jeweils wichtig ist.

Eine individuelle Hochzeit muss dabei überhaupt nicht ungewöhnlich aussehen. Wenn ihr euch auf einen klassischen Hochzeitstanz freut, braucht ihr keine kreativere Alternative. Wenn ihr eine schlichte Feier möchtet, müsst ihr sie nicht durch besondere Details rechtfertigen. Auch der Anspruch, möglichst anders zu heiraten, kann zu einer fremden Erwartung werden. Über diesen Druck durch Hochzeitsbilder schreibe ich auch in meinem Artikel über Inspiration und Vergleiche auf Social Media.

Your rules means both of you

Bei all den Gedanken über Erwartungen von außen darf eine Frage nicht untergehen. Was passiert, wenn ihr selbst unterschiedliche Vorstellungen habt? Vielleicht liebt eine Person den Gedanken an persönliche Worte vor allen Gästen, während sich die andere schon beim bloßen Vorstellen unwohl fühlt. Oder eine Person wünscht sich ein großes Fest und die andere hätte am liebsten einen überschaubaren Kreis. Dann hilft es wenig, sich einfach darauf zu berufen, dass es eure Hochzeit ist. Ihr müsst herausfinden, wie sich darin zwei Menschen wiederfinden können.

Ich würde deshalb nicht sofort über die konkrete Lösung diskutieren, sondern darüber, was hinter dem jeweiligen Wunsch steckt. Geht es bei der großen Feier darum, niemanden auszuschließen, oder um die Freude an einer vollen Tanzfläche? Bedeutet ein kleiner Kreis für euch Nähe, Ruhe oder finanzielle Entlastung? Wenn ihr das voneinander wisst, könnt ihr Möglichkeiten entwickeln, die vorher vielleicht gar nicht zur Debatte standen. Persönliche Worte lassen sich beispielsweise auch ungestört vor der Trauung austauschen.

Wichtig finde ich, dass nicht automatisch die Person entscheidet, die mehr recherchiert oder die meisten Aufgaben übernimmt. Persönliche Hochzeitsplanung braucht gemeinsame Gespräche, auch wenn ihr die Organisation unterschiedlich aufteilt. Fragt deshalb zwischendurch ausdrücklich nach, ob eine Entscheidung für euch beide noch stimmt. Ein frühes Einverständnis muss nicht bedeuten, dass sich niemand mehr anders fühlen darf.

Family wishes need a conversation

Familienwünsche würde ich nicht grundsätzlich als Einmischung behandeln. Vielleicht steckt hinter einem Vorschlag der Wunsch, euch etwas mitzugeben oder an einer vertrauten Tradition festzuhalten. Ihr dürft nachfragen, weshalb jemandem ein bestimmter Punkt so viel bedeutet. Zuhören verpflichtet euch noch nicht zur Umsetzung. Es schafft aber die Möglichkeit, auf das eigentliche Anliegen zu reagieren, statt nur darüber zu streiten, ob etwas auf dem Ablaufplan stehen soll.

Angenommen, ein Elternteil wünscht sich eine lange Rede während des Dinners und ihr möchtet bewusst ohne größere Unterbrechungen essen. Dann könnt ihr erklären, was euch an diesem gemeinsamen Essen wichtig ist, und überlegen, ob persönliche Worte beim Empfang einen passenden Platz hätten. Wenn ihr grundsätzlich keine Reden möchtet, dürft ihr auch das sagen. Eine Alternative ist nur dann hilfreich, wenn sie sich für euch wirklich gut anfühlt. Ihr müsst nicht zu jedem Nein ein Ersatzangebot liefern.

Besonders sorgfältig würde ich solche Gespräche führen, wenn Angehörige einen Teil der Feier finanzieren möchten. Klärt vor einer Zusage, ob damit konkrete Wünsche verbunden sind und welche davon ihr mittragen könnt. Das ist eine Frage eurer Absprachen, die möglichst früh auf den Tisch gehört. Auch bei zusätzlichen Einladungen lohnt sich diese Klarheit. Im Beitrag über Nähe und Verpflichtungsgefühl auf der Gästeliste findet ihr dazu weitere Gedanken.

A kind answer can still be clear

Eine Grenze auszusprechen, fällt vielleicht gerade bei den Menschen schwer, die ihr sehr liebt. Trotzdem würde ich versuchen, Entscheidungen nicht hinter vagen Antworten zu verstecken. Wenn ihr sicher wisst, dass ihr keine Hochzeitsspiele möchtet, kann ein freundliches Vielleicht beim Gegenüber Hoffnung auf Zustimmung wecken. Sagt lieber früh, dass ihr euch einen Abend ohne Spiele wünscht, und gebt diese Information auch an die Personen weiter, die Überraschungen koordinieren könnten.

Dabei hilft eine Antwort, die den Vorschlag anerkennt und eure Entscheidung verständlich macht. Ihr könnt euch dafür bedanken, dass jemand etwas vorbereiten möchte, und zugleich erklären, dass ihr euren Ablauf bewusst anders gestalten wollt. Eine ausführliche Verteidigung jedes Details ist dafür nicht nötig. Wenn dieselbe Frage erneut kommt, dürft ihr ruhig bei eurer Antwort bleiben, statt immer neue Argumente zu suchen.

Es kann trotzdem Enttäuschung geben. Ich glaube, das ist der unangenehme Teil, den kein noch so gut formulierter Satz vollständig auflösen kann. Ihr könnt respektvoll sprechen und dennoch auf Unverständnis stoßen. Dann müsst ihr nicht sofort eure Planung ändern, um die Stimmung zu retten. Lasst dem Gespräch etwas Zeit und schaut später noch einmal darauf, ohne eure Entscheidung allein deshalb infrage zu stellen, weil sie jemandem nicht gefällt.

Make room for your guests, too

Bei aller Selbstbestimmung seid ihr an diesem Tag auch Gastgeber. Deshalb würde ich zwischen Geschmack und Bedürfnissen unterscheiden. Ob jemand eure Blumen zu schlicht findet, ist etwas anderes als die Frage, ob ein Gast ausreichend sitzen kann oder beim Essen etwas Verträgliches findet. Ihr könnt die Atmosphäre nach euren Vorstellungen gestalten und gleichzeitig darauf achten, dass eure Gäste gut informiert und versorgt sind. Rücksicht muss eure Feier nicht weniger persönlich machen.

Wenn ihr einen ungewöhnlichen Ablauf plant, erklärt rechtzeitig, was eure Gäste erwartet. Wenn ihr im kleinen Kreis oder weit entfernt heiraten möchtet, gehört auch dazu, eine Absage respektieren zu können. Eure Freiheit, die Feier passend zu gestalten, lässt anderen die Freiheit, ihre eigenen Möglichkeiten einzuschätzen. Für mich ist das ein wichtiger Teil einer Hochzeit, bei der sich niemand aus Pflichtgefühl verbiegen soll.

In meiner Arbeit ist mir wichtig, dass eure Wünsche in der Planung erkennbar bleiben, auch wenn viele organisatorische Entscheidungen dazukommen. Falls ihr bereits selbst plant und dabei Unterstützung gebrauchen könnt, bietet mein Planning Support einen passenden Rahmen. Vielleicht beginnt der nächste Schritt aber auch einfach mit einem Abend zu zweit, an dem ihr eure bisherigen Zusagen durchgeht. Was möchtet ihr behalten, was noch einmal besprechen? Ihr müsst nicht erreichen, dass alle dieselbe Vorstellung von einer schönen Hochzeit haben. Es wäre schon viel gewonnen, wenn ihr beide wieder mit Freude auf eure eigene schaut.

Geschrieben von

Vivien Opoku

Wedding Planner & Founder of Vivien Opoku Weddings