The magic of an autumn wedding.

Warme Farben, weiches Licht und eine Feier, die auch bei Regen genau richtig aussieht.

Editorial gedeckte Hochzeitstafel

Wenn ich mir eine Hochzeit im Herbst vorstelle, denke ich zuerst an eine gedeckte Tafel. An eine cremefarbene Tischdecke, dunkle Blüten in kleinen Vasen und Kerzen, deren Licht sich in den Gläsern spiegelt. Draußen darf es schon dämmrig sein, während drinnen gerade das Dinner beginnt. An dieser Vorstellung gefällt mir besonders, dass sie nichts Lautes braucht. Die Atmosphäre entsteht durch die Dinge, die man ganz bewusst zusammenbringt.

Trotzdem wird der Herbst in der Hochzeitsplanung manchmal vor allem über das Wetter betrachtet. Verständlich, denn niemand möchte beim Empfang frieren oder kurz vor der Trauung überlegen müssen, wohin jetzt eigentlich alle Gäste gehen sollen. Ich finde nur, dass diese Sorge nicht die gesamte Vorstellung von eurer Hochzeit bestimmen sollte. Wenn ihr eine Herbsthochzeit planen möchtet, könnt ihr die Jahreszeit von Anfang an gestalterisch und organisatorisch mitdenken. Dann muss eure Feier auch bei Regen nicht wie eine improvisierte Alternative aussehen.

Autumn, without the obvious

Eine elegante Herbsthochzeit muss für mich nicht sofort als Herbstdekoration erkennbar sein. Ihr braucht weder orangefarbene Servietten noch Laub auf jedem Tisch, wenn das eigentlich gar nicht eure Ästhetik ist. Vielleicht mögt ihr helle Räume, reduzierte Floristik und klare Formen. Das lässt sich wunderbar mit einer herbstlichen Stimmung verbinden, ohne dass ihr euren Geschmack für ein saisonales Konzept aufgeben müsst.

Bei den Farben würde ich mit der Location beginnen. Welche Töne bringen die Wände, der Boden und die Möbel bereits mit? In einem Raum mit dunklem Holz könnte ich mir warmes Weiß, tiefes Weinrot und einzelne rosige Nuancen vorstellen. Zu einer hellen, zurückhaltenden Architektur passen vielleicht eher Sand, Oliv und dunkles Braun. Das sind mögliche Kombinationen, keine Regeln. Entscheidend ist, ob euch das Zusammenspiel gefällt und ob es zu dem Ort passt, an dem ihr feiern möchtet.

Auch die Materialien dürfen diese Richtung aufnehmen. Eine strukturierte Tischwäsche, eine schlichte Menükarte und bewusst ausgewählte Gläser können eine schöne Grundlage bilden. Dazu würde ich lieber eine florale Gestaltung wählen, die Raum lässt, als jede freie Stelle zu dekorieren. Wenn ihr Herbsthochzeit-Ideen sammelt, fragt euch deshalb ruhig, was euch an einem Bild eigentlich anspricht. Ist es wirklich die einzelne Blume oder eher die Ruhe der gesamten Tafel? In Your wedding doesn't have to look like Pinterest geht es auch darum, Inspiration nicht mit einer Vorgabe zu verwechseln.

Let the light set the mood

Bei einer Hochzeit im Oktober würde ich das Licht früh in die Ablaufplanung aufnehmen. Prüft für euren konkreten Termin und Ort, wann die Sonne untergeht, und besprecht mit eurer fotografischen Begleitung, welche Aufnahmen ihr euch bei Tageslicht wünscht. Wenn euch Paarfotos draußen wichtig sind, sollte dafür ein passender Zeitraum vorgesehen sein. Gleichzeitig würde ich den Ablauf nicht von der Hoffnung auf einen bestimmten goldenen Sonnenmoment abhängig machen. Auch dieser lässt sich schließlich nicht bestellen.

Für den Abend lohnt sich ein Lichtkonzept, das über Kerzen auf den Tischen hinausgeht. Welche Beleuchtung ist im Raum vorhanden, lässt sie sich dimmen und welche Bereiche brauchen zusätzliches Licht? Ich würde versuchen, die Tafel, den Empfangsbereich und die späteren Sitzgelegenheiten bewusst aufeinander abzustimmen. Eine warme, eher zurückhaltende Beleuchtung wäre für mich dabei der Ausgangspunkt. Trotzdem sollen eure Gäste ihre Menükarten lesen und sich im Raum gut orientieren können.

Kerzen gehören für mich zu den schönsten Gestaltungsmöglichkeiten für diese Jahreszeit. Bevor ihr euch aber auf offene Flammen oder bestimmte Kerzenhalter festlegt, klärt die Vorgaben eurer Location. Stimmt auch mit Floristik und Dekoration ab, wie Kerzen, Blüten und Textilien sicher angeordnet werden können und wer das Anzünden übernimmt. Falls echte Kerzen nicht infrage kommen, könnt ihr geeignete LED-Alternativen vor Ort ausprobieren. Ich würde ihre Wirkung unbedingt im tatsächlichen Raum beurteilen, statt nur nach einem Produktfoto zu entscheiden.

A beautiful plan for either forecast

Der Innenbereich sollte bei einer Herbsthochzeit ein Ort sein, auf den ihr euch wirklich freut. Wenn ihr bei der Besichtigung schon denkt, dass ihr dort eigentlich nicht heiraten möchtet, würde ich dieses Gefühl ernst nehmen. Ein schöner Garten gleicht nicht automatisch einen Raum aus, in dem ihr euch bei Regen unwohl fühlt. Welche Fragen euch bei dieser Entscheidung helfen können, findet ihr auch in meinem Artikel über die Suche nach einer passenden Hochzeitslocation.

Schaut euch dabei den gesamten Tag an. Wo findet die Trauung statt, wo können eure Gäste anschließend anstoßen und was passiert, während der Dinnerbereich vorbereitet wird? Falls derselbe Raum mehrfach genutzt werden soll, braucht es einen abgestimmten Umbau und einen angenehmen Aufenthaltsort für die Zwischenzeit. Geht außerdem die Wege ab. Ein überdachter Empfang hilft nur begrenzt, wenn der Weg dorthin bei Regen schwierig wird oder Gäste lange ungeschützt warten müssen.

Für eine mögliche Feier im Freien würde ich vorab festhalten, wer über einen Wechsel nach drinnen entscheidet und bis wann diese Entscheidung für den Aufbau getroffen werden muss. Besprecht das gemeinsam mit Location und beteiligten Dienstleistern, statt euch erst am Hochzeitstag darüber zu verständigen. So bleibt draußen eine schöne Möglichkeit, aber keine Bedingung dafür, dass sich euer Tag richtig anfühlt. Genau solche Fragen lassen sich bereits beim Location Scouting in die Auswahl einbeziehen.

Comfort belongs in the concept

Ich finde, bei der Gestaltung darf man ruhig darüber nachdenken, wie sich eine Hochzeit körperlich anfühlt. Wo lege ich meinen Mantel ab? Kann ich beim Empfang sitzen? Gibt es einen warmen Raum, wenn mir draußen zu kühl wird? Solche Fragen sind auf einem Moodboard selten zu sehen, gehören für mich aber zu einer aufmerksamen Planung. Eine Garderobe, gut nutzbare Wege und ein Empfang ohne unnötige Wartezeiten verdienen deshalb genauso einen Platz im Konzept wie die Tischdekoration.

Informiert eure Gäste im Vorfeld darüber, welche Teile der Feier draußen vorgesehen sind. So können sie passende Kleidung und Schuhe wählen, ohne raten zu müssen. Für eure eigenen Outfits würde ich ebenfalls eine zusätzliche Schicht einplanen, die euch gefällt. Ein Blazer, eine Stola oder ein Mantel kann bewusst dazugehören. Ihr müsst euch für die Fotos oder den Weg zur Trauung nicht zwischen eurem Look und eurem Wohlbefinden entscheiden.

Beim Essen könnt ihr die herbstliche Richtung aufgreifen, ohne ein schweres Menü daraus machen zu müssen. Ich könnte mir beispielsweise ein Gericht mit Pilzen, Ofengemüse oder eine Dessertidee mit Birne vorstellen. Was davon zu eurem Termin, euren Gästen und dem Stil des Dinners passt, besprecht ihr am besten mit eurem Catering. Auch ein warmer alkoholfreier Drink zum Empfang wäre eine schöne Möglichkeit. Entscheidend wäre für mich, dass die Auswahl euch schmeckt und sich gut in den Ablauf einfügt.

Leave room for the evening

Wenn das Dinner für euch der Mittelpunkt der Feier ist, würde ich ihm im Ablauf auch entsprechend Platz geben. Vielleicht möchtet ihr zwischen den Gängen persönliche Worte hören oder einfach lange miteinander am Tisch sitzen. Dann muss nicht zusätzlich noch ein dichtes Programm stattfinden. Überlegt, welche Momente euch wirklich wichtig sind und welche ihr eher einplant, weil man sie auf Hochzeiten eben erwartet.

Für mich liegt der Reiz einer Herbsthochzeit in dieser sehr bewussten Entscheidung für eine bestimmte Atmosphäre. Ihr dürft die Terrasse nutzen, wenn der Nachmittag schön ist, und euch genauso auf den Abend drinnen freuen. Ihr könnt natürliche Farben wählen und trotzdem ganz modern gestalten. Der Herbst gibt eine Richtung vor, aber er muss nicht jedes Detail bestimmen.

Vielleicht ist deshalb die hilfreichste Frage bei der Planung, ob euch euer Konzept auch ohne Sonnenschein gefällt. Wenn ihr euch den gedeckten Tisch, den Raum und eure Gäste darin vorstellt und euch auf genau diesen Abend freut, habt ihr eine gute Grundlage. Ein trockener Nachmittag oder warmes Licht beim Paarshooting darf dann noch dazukommen. Eure Vorfreude muss darauf nicht warten.

Geschrieben von

Vivien Opoku

Wedding Planner & Founder of Vivien Opoku Weddings